Die Einwanderungspolitik der USA unter Donald Trump trifft zunehmend auch harmlose Touristen. Die 29-jährige deutsche Tattoo-Künstlerin Jessica Brösche wollte zu Fuß aus Mexiko in die USA, wurde stattdessen verhaftet und in Abschiebehaft genommen, 8 Tage davon nach eigener Aussage in Isolation.
Im Gepäck hat sie ihre Tätowierutensilien. Doch die sollen ihr an der Grenze zum Verhängnis werden: Die US-Grenzbehörde ICE stoppt sie sofort. Der Verdacht: Brösche wolle in den USA arbeiten, was mit ihrem gültigen Touristenvisum nicht erlaubt ist. Dabei wollte die Berlinerin eigentlich nur ihre Freundin Amelia Nikita Lofving in Los Angeles besuchen.
Ähnlich erging es dem 25-jährigen Lucas Sielaff aus Bad Bibra in Sachsen-Anhalt. Sielaff führt seit Jahren eine Fernbeziehung zu seiner Verlobten Lennon Tyler, einer Amerikanerin, und reist regelmäßig zu Besuchen zwischen Deutschland und den USA hin und her.
Nach einem Tierarztbesuch in Mexiko – ihr Hund erhielt hier eine Tumorbehandlung – wollte das Paar am 18. Februar zurück über die Grenze nach Las Vegas reisen, wo Sielaffs Verlobte lebt. Er sagte, er habe Mühe gehabt, den Grenzbeamten zu verstehen, der ihn befragte, und gab eine wirre Antwort. Das wurde ihm zum Verhändnis.
Sielaff wurde festgenommen und ins berüchtigte privat betriebene Otay Mesa Detention Center gebracht. Seine Verlobte durfte ihre Reise fortsetzen, musste Sielaff, der im Besitz einer gültigen Einreiseerlaubnis (Esta) war, aber zurücklassen. Nach zwei Wochen im US-Gefängnis wurde Sielaff schließlich in Handschellen, Fußfesseln und mit Ketten um den Bauch zum Flughafen eskortiert.
Nicht nur Deutsche sind betroffen. Die Britin Becky Burke versuchte am 26. Februar die kanadische Grenze zu überqueren, was ihr aufgrund eines falschen Visums verwehrt wurde. Sie wurde in einen orangen Jumpsuit gsteckt und in Abschiebehaft gesteckt.
Bislanf hat das Auswärtige Amt in Berlin noch keine Reisewarnung für die USA herausgegeben, aber Vorsicht ist trotzdem geboten.
Immer häufiger kommt es vor, dass deutsche Urlauber an der Grenze festgehalten und ohne Angabe von Gründen in die Heimat abgeschoben werden, wie die 22-jährige Studentin Celine Flad aus der Nähe von Stuttgart, die mitte Februar 24 Stunden in einer Zelle mit Stahlpritsche warten musste, bevor sie heimgeschickt wurde. In der Zwischenzeit prüften Grenzbeamte ihr Handy, hatten Fotos betrachtet und Nachrichten gelesen – ohne Durchsuchungsbescheid!
Der Deutschen Fabian Schmidt saß Anfang März mehr als einer Woche in einer US-Haftanstalt, obwohl er eine Greencard besitzt, also eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung, die ihn rechtlich weitgehend mit US-Staatsbürgern gleichsetzt. Unter anderem sei er bei der Befragung am Flughafen von Boston angebrüllt worden und habe sich ausziehen müssen. In Gewahrsam sei er krank geworden und in eine Klinik gekommen, wo er ans Bett gefesselt worden sei.
Vor Trump wurden Reisende, die mit einem Esta in die USA einreisen und abgewiesen werden, ihren Antrag zurückziehen und direkt in ihr Heimatland zurückkehren statt abgeschoben zu werden oder länger in Haft zu bleiben. Jeff Joseph, Präsident der American Immigration Lawyers Association, bezeichnete laut Züricher Tagesanzeiger Brösches Fall gegenüber CNN dennoch als «ziemlich ungewöhnlich».
Auch Lucas Sielaff und seine US-amerikanische Verlobte raten Deutschen von Reisen in die USA ab – auch wegen der migrationsfeindlichen Politik von Donald Trump.
Ich denke, es ist Zeit, Amerika auf die Liste der unsicheren Reiseländer zu setzen. Es gibt noch weitere Möglichkeiten, seine ABscheu vor dem, Was Donald Trump dort anrichtet, auszudrücken, zum Beispiel keinen Tesla kaufen und US-Lebensmittel im Supermarkt zu boykotieren.
Und das sage ich als gebürtiger Amerikaner und bislang recht stolzer Staatsbürger: Amerika ist kaputt – fahrt nicht hin!