Shit happens, vor allem in der digitalen Überwachung

Dieser Beitrag erschien erstmals am 19.4.2008

Digitale Pannenhilfe: Schnelle Hilfe bei Panne oder Unfall | Generali

Wo wir uns doch alle gerade über Online-Fahnung, staatliche Videokameras im Wohnzimmer und flächendeckende Aufzeichnung von Kfz-Kennzeichen aufregen, hier ein kleines Bonmot aus dem ordnungspolitischen Alltag, der mich nachdenklich macht.

Neulich nahm der nette Herr Betz, der sich liebevoll um unser kleines Cabrio kümmert, das gute Stück aus München mit in seine Werkstatt im Nordosten der Stadt. Herr Betz ist ein sehr umsichtiger und penibler Mensch, was ich an ihm schätze, denn er hält unseren Wagen immer tipptopp in Schuss.

Hinzufügen muss ich, dass wir den Wagen mit einem so genannten Saisonkennzeichen zugelassen haben, da wir ohnehin im Winter nicht damit fahren wollen. Vom 1. April bis 31. November ist der Wagen zugelassen, dazwischen steht er in der Garage.

Herr Betz holte den Wagen Anfang März ab, und da er ja zu diesem Zeitpunkt weder zugelassen noch versichert war, brachte er ein rotes Überführungskennzeichen mit. Am 18. März stellte er ihn wieder in die Garage, warf Schlüssel und Rechnung in den Briefkasten und ging nach Hause. Übrigens, nebenbei bemerkt: Das ist noch echter Service!

Zwei Wochen später bekam ich einen sehr amtlich aussehenden Brief vom „Bayer. Polizeiverwaltungsamt – VOWi“, der mich davon in Kenntnis setzte, dass mir vorgeworfen wurde, „am 18.3.2008 um 06:10 Uhr in München, BAB A99, km 3.638, Lindau Richt. Salzburg“ die zulässige Höchstgeschwindigkeit außerhalb geschlossener Ortschaften um 26 Stundenkilometer überschritten zu haben, wofür man gedenke, mir eine Geldbuße von 50 Euro sowie Kosten in Höhe von 23,50 Euro und zusätzlich noch drei Punkte in Flensburg zu verpassen.

Ich schaute in den Kalender und sah, dass Herr Betz an diesem Tag den Wagen zurück gebracht hatte. Wieso er dazu über die A99 fahren musste, war mir zwar nicht klar, aber vielleicht wollte er ja den Wagen noch etwas einfahren. Aber wieso morgens um sechs?

Jedenfalls rief ich ihn an und sagte: „Na, Herr Betz, waren wir ein bisschen schnell unterwegs?“ Woraufhin er aus allen Wolken fiel und mir – glaubhaft – versicherte, dass er erstens selten zu schnell fährt, zweitens niemals mit einem Kundenfahrzeug und drittens zweimal nicht, wenn er ein rotes Kennzeichen am Auto hat. „Das wäre ja Wahnsinn!, sagte er. Stimmt.

Also rief ich beim „Bayer. Polizeiverwaltungsamt – VOWi“ an und fragte, was denn los sei. Nun, ich sei wohl zu schnell gefahren, sagte der Beamte. Nee, sagte ich, wenn überhaupt, dann Herr Betz. Aber eigentlich sei es komisch, denn der habe ja ein rotes Kennzeichen drangemacht. Wieso man dann überhaupt mein Kennzeichen erwischt hätte.

Der Beamte stutzte, schaute und fragte dann nach meinem Kennzeichen. Nun kenne ich die Nummer auswendig: TC 1066. Habe ich mir ausgesucht, weil TC meine Initialen sind und im Jahr 1066 Wilhelm der Eroberer in der Schlacht von Hastings die Angelsachsen besiegt und England den Normannen unterworfen hat. Sie merken schon, eines meiner Hobbies ist englische Geschichte…

Der Polizist ließ mich ein paar Minuten warten, während er das Beweisfoto auf den Bildschirm holte. Und dann fragte er mich: „Fahren Sie einen weißen Mercedes-Kastenwagen?“

Nein, sagte ich, ich fahre einen wunderschönen weinroten Mercedes SLK. Verwechslung ausgeschlossen.

Er schaute das Foto dann wohl etwas genauer an und meinte: „Das war der Computer!“  Genauer: Das Schrifterkennungsprogramm, das aus einem „F“ ein „C“ gemacht hatte. Kleine Ursache, große Wirkung, also. Scheiß Computer!

Was mich aber beunruhigt ist die Tatsache, dass der Scheiß-Computer immer mehr in den Mittelpunkt polizeilicher Fahndungarbeit rückt. Was wäre gewesen, wenn das gesuchte Auto einem Terrorverdächtigen gehört hätte. Was, wenn die Polizei davon ausgegangen wäre, der Kerl ist bewaffnet.

Wäre es mir vielleicht so ergangen wie dem armen Ian Macleod, der an einem schönen Junimorgen im Jahre 1972 in seiner Wohnung im Stuttgarter „Hannibal“ an die Tür ging und dort einen Polizisten im schusssicherer Rüstung und mit gezückter MP vorfand?

Macleod tat das, was ich wahrscheinlich auch tun würde: Er schmiss die Tür zu und rannte davon. Leider hat der Knall den Polizisten so erschreckt, dass er sein Magazin durch die geschlossen Wohnungstür entleerte und den unschuldigen Schotten zersiebte.

Und überhaupt: Warum bin ich offenbar der einzige, der sich an den Fall Macleod erinnern kann? Gut, ich war damals Lokalreporter in Stuttgart. Aber Wolfgang Schäuble war damals auch schon auf der Welt und sogar schon politisch aktiv

Und warum beschleicht mich leise Angst, wenn ich bei Google „Macleod Baader Meinhof“ eingebe? Ich will ja nur noch mal das Datum prüfen. Aber was ist, wenn die Online-Überwachung schon in vollem Gang ist? Der Google-Treffer zusammen mit einem vom Computer falsch erkannten Kennzeichen – und schon könnten sie vor der Tür stehen…

Es ist wieder sehr weit gekommen in Deutschland. Ich hatte eigentlich gehofft, wir wären weiter als 1972.

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Authentische digitale Souveränität im Sicherheitsbereich

Gastbeitrag von Pantelis Astenburg*

Digitale Souveränität ist mittlerweile weit mehr als ein politisches Ziel, sie ist eine operative Notwendigkeit. Souverän bedeutet unabhängig und selbstbestimmt. Davon sind viele deutsche Unternehmen leider noch meilenweit entfernt.

Der Druck durch europäische Gesetze und Regularien zum Thema Digitale Sicherheit wie NIS-2, DORA und den Cyber-Resilience-Act, geopolitische Spannungen sowie die anhaltenden Zugriffsmöglichkeiten US-amerikanischer Behörden auf Daten in außereuropäischen Cloud-Umgebungen machen das Thema für CISOs und IT-Verantwortliche zunehmend geschäftskritisch. Während jedoch zahlreiche Anbieter mit dem Wort Souveränität werben, bleibt die tatsächliche Substanz oft unklar. Daher lohnt es sich, einen genaueren Blick darauf zu werfen, was eine SASE-Lösung tatsächlich souverän macht.

SASE (Secure Access Service Edge) beschreibt die Kombination von Sicherheits- und Netzwerkfunktionen in einem cloudbasierten Service. Dies wird meistens als Hardware vor Ort  mißverstanden. Der Server im Keller ist kein Beweis für Souveränität. In der Branche kursiert der weit verbreitete Irrtum, dass Unternehmen, die eine physische Appliance in ihrem Rechenzentrum betreiben, bereits souveränes SASE nutzen. Das ist kurzsichtig. Weiterlesen

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Die Mouche macht den Mann

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 20.6.2020

Auf Quora wollte neulich einer von mir wissen, wie man das kleine Haarbüschel nennt, dass sich einige direkt unter der Lippe wachsen lassen. Und wie so oft bei Quora-Fragen hat sich die Suche nach einer Antwort als eine spannende Reise entpuppt, diesmal durch die Kulturgeschichte der männlichen Gesichtsbehaarung.

Im Friseurjargon wird das Zurücklassen des Haares, das unter dem Mund wächst, als „goatee“ bezeichnet und vom Oxford Englisch Dictionary definiert als „ein Bart, der in Form eines Büschels gestutzt ist, am Kinn herabhängt und dem eines Ziegenbocks ähnelt“. Wir sagen im Deutschen dazu „Kinnbart“ oder „Ziegenbart“.

Früher wurde der Begriff nur für einen Bart verwendet, der aus einem Haarbüschel besteht, der direkt am Kinn hängt. Das Aussehen des Spitzbartes hat sich im Laufe der Jahre verändert, und der so genannte Landungsstreifen-Ziegenbart kam dem, wonach hier gefragt wurde, sehr nahe. Dabei rasiert Mann sich den Schnurrbart und die Kinnbehaarung bis auf den Bereich direkt unter dem Mund ab. Diese Landebahn verläuft von den Mundwinkeln vertikal nach unten, so lange Sie wollen, unterhalb des Kinns.

Wenn Sie schließlich alles bis auf den winzigen Fleck direkt unter der Unterlippe abrasieren, erhalten Sie einen Soul Patch. Seine Wirkung ist oft umstritten. Manche sagen, es lässt den Träger intrigant, listig und sogar regelrecht falsch aussehen. Andere glauben, dass es einen intellektuellen Eindruck macht. Weiterlesen

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Trump Phone Made in China

Donald Trump hat die Gabe, alles in Gold zu verwandeln, was er in die Hände kriegt. Das gilt auch für Mobiltelefone.

Das Trump-Handy (das Trump T1-Smartphone) wurde am 16. Juni 2025 von Donald Trump Jr. und Eric Trump im Rahmen der Einführung ihres neuen Mobilfunkdienstes „Trump Mobile“ offiziell als „Made in USA“ vorgestellt.

Das war gelogen. Weiterlesen

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Porto ergo sum

Zu viele E-Mails sind ein Problem – zu wenige auch!

Von Max Rabe sind viele Werke mit schönen Titeln überliefert, zum Beispiel „Klonen kann sich lohnen“, vor allem aber mein Lieblingssong von ihm: „Kein Schwein ruft mich an“. Ich musste neulich an ihn denken, als mir eine Bekannte von ihrer Chefin erzählte, die eine kleine Agentur betreibt. Eines Tages war es besonders still in der Firma, kein Telefonklingeln, kein Kundenbesuch. Und auf einmal steckt die Chefin den Kopf durch die Tür und sagt: „Du, würdest du mir bitte schnell eine E-Mail schreiben. Ich glaube, das Internet funktioniert nicht mehr, ich habe heute Morgen noch keine einzige Mail bekommen…“

Ja, E-Mail hat manchmal etwas Zwanghaftes an sich: Ich erwische mich selbst auch dabei, wie ich alle zehn Minuten den Smartphone rausziehe und meine Mailbox checke. Apropos: Ich habe ein Mauspad auf meinem Schreibtisch, auf dem mehrere Mäuse zu sehen sind, die gerade in einer Bäckerei arbeiten. Einer zieht einen Zettel aus einer Schublade, auf der „Mehl“ draufsteht, und sagt zu den anderen: „Hey, da ist ja Post in unserer Mehlbox!“ Weiterlesen

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Während alle über KI reden, ertrinkt Deutschland in Papier

Gastbeitrag von Maxime Werner*

Unter Digitalisierungsdienstleistern kursiert eine Faustregel: Sag mir, wie alt das Unternehmen ist, und ich sage dir, wie viele Kellermeter Akten du dort findest. Pro Jahrzehnt Firmenhistorie zwischen 50 und 200 laufende Meter. Bei einem Mittelständler mit 40 Jahren auf dem Buckel reichen die Aktenmeter oft, um eine kleine Stadtbibliothek zu füllen.

Draußen in den Talkshows übernimmt derweil die KI das Kommando. In den Strategiepapieren regiert die „datengetriebene Transformation“ durch. Auf den IT-Messen wird der gefühlt 38. ChatGPT-Wrapper als Innovation verkauft. Ein paar Treppen tiefer, im Aktenkeller, sieht die Realität anders aus. Da stehen Pendelordner aus den Neunzigern, in denen Personalakten, Verträge, Eingangsrechnungen, Konstruktionszeichnungen und Steuerunterlagen ihr stilles Leben fristen, bis irgendwann die Aufbewahrungsfrist abläuft oder, häufiger, eine Außenprüfung das ganze Material wieder zum Leben erweckt. Weiterlesen

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Deutschland und Holland – zwei Welten in einer Cloud

Jedes Volk hat so seine festen Vorstellungen über das jeweils andere. Faule Italiener, französische Feinschmecker, spleenige Briten und trinkfreudige Skandinavier, zum Beispiel. Auch im Verhältnis mit unseren nächsten Nachbarn, den Niederländern, sind Stereotypen an der Tagesordnung.  Eine Holländerin, die ich kenne, sagte mir, die Deutschen seien so weinerlich. „Denen kannst du gar nichts recht machen“, meinte sie, die immerhin 36 Jahre in Düren gelebt hat, also gerade einen Katzensprung über die Grenze. Ihr Mann, der Deutscher ist, sagt dagegen, die Holländer seien viel flapsiger als die Deutschen. Spontaner. „Die Holländer sagen, was sie denken,“ sagt seine Frau – und ecken damit manchmal an.

Wenn es um Cloud Computing geht, zeigen sich die unterschiedlichen Volkscharakter besonders deutlich. Das behaupten jedenfalls die Meinungsforscher des Forsa-Instituts, die im Auftrag des Internet-Providers Strato insgesamt 1.003 Internetnutzer in beiden Ländern befragt haben nach ihrer Einstellung zu Cloudlösungen wie Dropbox, Microsoft One Drive, Google Drive oder iCloud. Und tatsächlich: Unterschiedlicher hätte das Ergebnis nicht ausfallen können. Weiterlesen

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Welche Schweinereien in der Bibel stehen

Ich binge-watche gerade wieder meine Sammlung von West Wing, der Kult-Fernsehserie, in der es um ein fiktives White House geht. Die Serie lief Anfang des Jahrhunderts über sieben Saisons, und es ist immer wieder erstaunlich, was man da alles lernen kann.

In der Folge „The Midterms“ geht es um einen Empfang für die Moderatoren und Moderatorinnen von Radio-Talkshows, und der Präsident kommt zufällig rein, entdeckt eine bekannte, erzkonservative Evangelistin und verwickelt sie in eine Debatte über Bibelzitate.

Da erfährt man, dass Livitikus in Vers 18:22 besonders heftig gegen Schwule wettert. Weiterlesen

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Sizilien – ein Schmelztiegel

File:Sicily prehellenic topographic map.svg - Wikimedia CommonsWie unterscheiden sich die genetischen Merkmale der Sizilianer von denen der Italiener auf dem Festland und der benachbarten Mittelmeerländer?

Stellen Sie sich vor, wie viele ethnische Gruppen im Laufe der Jahrhunderte Sizilien durchquert oder sich dort niedergelassen haben. Die Sikaner gelten oft als die frühesten Bewohner, die möglicherweise aus Iberien oder aus lokalen prähistorischen Bevölkerungsgruppen stammten und irgendwann vor 800 v. Chr. ankamen. Ihnen folgten die Sikel, ein indoeuropäisches Volk, das um das 2. Jahrtausend v. Chr. aus Italien einwanderte und sich hauptsächlich im Osten Siziliens niederließ. Etwa zur gleichen Zeit ließen sich die Elymer im Westen Siziliens nieder (in Städten wie Segesta und Erice). Ihre Herkunft ist umstritten; einige antike Schriftsteller brachten sie mit trojanischen Flüchtlingen in Verbindung. Weiterlesen

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Security-by-Design im Faktencheck

Gastbeitrag von Stefan Keller*

Der Security-by-Design-Ansatz wird mit dem Inkrafttreten des CRA von einer freiwilligen Best Practice zur verbindlichen Anforderung über den gesamten Produktlebenszyklus. Gleichzeitig halten sich in vielen Organisationen hartnäckig vereinfachte oder überholte Vorstellungen darüber, was Sicherheit in der Entwicklung eigentlich bedeutet, nicht zuletzt mit Blick auf Kosten, Innovation oder Verantwortlichkeiten. Open Systems hat fünf zentrale Mythen auf den Prüfstand gestellt. Weiterlesen

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